Mit Widerstandskraft gegen Burn Out

-Kräfte der Resilienz für mehr Leistung nutzen-

Ein junger Mann verwirklicht seinen Jugendtraum und wird Verkäufer bei seiner Wunschmarke. Mit Leib und Seele brennt er für seinen Beruf und ist sehr erfolgreich. Seine Kunden und Vorgesetzten lieben ihn. Aus einer Verkäuferbesprechung kommend, bricht er auf dem Weg an seinen Arbeitsplatz zusammen. Seit Monaten hat er kaum noch geschlafen, fühlt sich getrieben, auch nach den Wochenenden nicht erholt. Selbst das Geräusch der Waschmaschine treibt ihn aus der Wohnung, weil er es nicht ertragen kann. Er wird krankgeschrieben. Monate später kehrt er wieder an seinen Arbeitsplatz zurück und findet  „Gott sei Dank“ wieder in ein bereicherndes Leben zurück.

Dieser sogenannte „Burnout“ ist noch einmal gut ausgegangen. Leider gelingt dies nur selten. Eine Propylaxe ist noch seltener, da die Mitarbeiter und Führungskräfte Symptome ganz selten bemerken. Noch wenig Menschen schützen sich proaktiv gegen Burnout.

Was bedeutet Burnout? 1975 wurde der Begriff Burnout vom US-amerikanischen Psychologen Herbert
Freudenberger erstmals wissenschaftlich beschrieben. Ursprünglich verstand man unter Burnout eine psychische Reaktion auf chronische Stresssituationen im Beruf. Burnout allein gilt nach der „Internationalen Klassifikation der Erkrankungen“ (ICD-10) nicht als Krankheit, sondern als „Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“.

Neben den Einzelschicksalen hat ein Burnout, ebenso wie zahlreiche weitere psychosomatische Erkrankungen, auch wirtschaftliche Folgen. Ein Unternehmen verliert mit bei 1000 Mitarbeitern und 220 Arbeitstagen bei einem Ausfalltag mit 250 € pro Tag und nur 2 % Krankenquote im Schnitt 1.000.000 € pro Jahr! Da lohnt es sich darüber nachzudenken, was proaktiv getan werden kann, um diesen Erkrankungen vorzubeugen und damit hohe Folgekosten einzudämmen.

Kehrtwende einer bisherigen positiven Entwicklung

Krankenstand steigt wieder

 

Menschen gehen mit Stress oder Belastung unterschiedlich um. Schon Selye bewies in einem Experiment, dass auch unsere Vorfahren, die Affen, unterschiedlich mit Belastung umgehen.

Das Experiment: Affen saßen auf einer Art Kinderstuhl, der mit einem Drahtgitter auf der Sitzfläsche ausgestattet war. Wenn nun ein leichter unangenehmer Strom durchgeleitet wurde, konnten sie durch Drücken eines Knopfes den Stromfluß unterbrechen. Nach einiger Zeit zeigten sich deutliche Unterschiede unter den Affen, die alle aus der gleichen Zucht stammten.
Beim Versuch, die Affen aus dem Käfig zu nehmen, klammerten sich einige Tiere fest, wollten nicht raus. Die anderen liefen direkt heraus und „wollten spielen“. Diese Affen nannte Selye „Manageraffen“.

Auf den ersten Blick erkennen wir deutliche Unterschiede im Verhalten. Ebenso konnten Veränderungen bei physiologischen Werten festgestellt werden. Bei diesen Werten zeigten sich allerdings auch besorgniserregende Veränderungen bei den“Manageraffen“, obwohl diese sehr munter wirkten. Folglich fordert eine Arbeit, auch wenn sie gerne getan wird, bei zu hoher Belastung einen Preis.

Exkurs: Bei Maschinen ist uns diese Belastungsgrenze durch die Ergebnisse der Prüflabore bewusst. Dort wird das Material „gestresst“, also auf seine maximale Belastung geprüft. Daher kommt übrigens auch der Begriff „Stress“. Abgeleitet von zahlreichen Versuchen kann eine Aussage über die Leistungsfähigkeit einer Maschine gemacht werden. Wird die Maschine über diese Grenzen hinweg belastet, erlischt die Garantie und die Lebenszeit verkürzt sich.
Nur mit einigen besonderen Techniken kann dies kurzfristig überbrückt werden, wobei diese Interventionen auch wieder ihren Preis haben, z.B. ein besonders leistungsfähiges Schmieröl oder eine besonere Kühltechnik.

Schauen wir uns an, was das für uns Menschen bedeutet. Die Aussage, dass die Arbeit unserem „brennenden“ Mitarbeiter Freude bereitet und er auch intrinsich, also von innen heraus, motiviert war, wird stimmen. Und nach einiger Zeit kam dennoch das Aus. Eine Überlastung war die Ursache. Ein Motor hat dann z.B. einen „Kolbenfresser“. Dennoch können wir viel von unserem motivierten und hochleistungsfägigen Mitarbeiter lernen UND er ist zu schützen.

Die Fähigkeiten mit Reizen bzw. Störungen von innen oder von außen umzugehen bezeichnete Selye als coping. Eine besondere Fähigkeit ist dabei die Resilienz.

Resilienz beschreibt die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen. Systeme müssen von innen oder außen kommende Störungen ihres Zustandes ausgleichen oder unter Aufrechterhaltung ihrer Systemintegrität ertragen.

In der Psychologie wird der Begriff der Resilienz dann benutzt, wenn Menschen mit misslichen Umständen oder Risikofaktoren gut umgehen können. Diese Menschen verfügen über eine hohe Kontrollüberzeugung, d.h. sie vertrauen ihren eigenen Fähigkeiten. Abgesehen davon, dass sie diese Fähigkeiten (Intelligenz, ebenso emotionale Intelligenz,) sehr gut einschätzen können, haben sie eine aktive Einstellung zu Problemen.

Ein resilienter Mensch ist stress-resistent und innerlich gefestigt. Er kann sich selbst regulieren und die Zukunft gestalten. Er weiß um seinen Energiehaushalt und kann seine Ressourcen gezielt einsetzen. Er stärkt aktiv sein seelisches und körperliches Immunsystem. Neben den eigenen Fähigkeiten gibt es wesentliche Einflussfaktoren wie das soziale Umfeld (Familie, Kultur, schulische Umgebung, Religion).

Exkurs: Die Einschätzung der Bewältigungsfähigkeiten spielt im transaktionalen Stress-Modell von Lazarus eine wichtige Rolle: Lazarus, neben Selye ein weiterer bekannter Stressforscher, geht davon aus, dass Menschen einen Reiz automatisch bewerten. Diese erste Bewertung hat emotionale als auch Verhaltensfolgen. Reflektiert der Mensch diese erste Bewertung, kommt es zum sekundären Bewertungsprozess. Nachdem ein Mensch zu dem Urteil gekommen ist, dass eine Situation für ihn eine Bedrohung darstellt, bewertet er, ob ihm hinreichende Möglichkeiten zur Bewältigung der Situation – auch „Ressourcen“ genannt – zur Verfügung stehen. Falls dies der Fall ist, sind keine gesundheitlich nachteiligen Auswirkungen zu erwarten. Auch Ellis hat im Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie wertvolle Ansätze zu bieten. Er spricht vom ABC der Emotionen. Dabei stellt A den auslösenden Reiz dar. B steht für Bewertung und C für Consequenzen. Die Strategie zum Umgang mit Reizen geht dann mit D, der Diskussion der Bewertung weiter. Dies führt zum E, dem Effekt mit dem positiven Ergebnis der Bewältigung.

Es liegt also nahe, vorhandene Ressourcen zu stärken oder, wenn sie fehlen, sie anzueignen. Gelingt dies, sind Menschen den Stresssituationen besser gewachsen – sie sind widerstandsfähiger.

Die wahrscheinlich dafür verantwortlichen Fähigkeiten wurden von unterschiedlichen Forschern identifiziert. Im Folgenden sind einige davon aufgeführt:

  • Ein positives Selbstkonzept
  • Eine hohe Kontrollerwartung, also selbst Kontrolle ausüben und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit
  • Fähigkeit zur Selbstregulation
  • Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Belastungen oder übermäßigen Reizen
  • Fähigkeit, sich vor gefährdenden Einflüssen zu schützen
  • Regelbewußtsein
  • Fähigkeit zu konstruktivem Denken (auch bei widrigen Umständen)
  • Fähigkeit, sich zu entscheiden und zu organisieren (Selbstmanagement)
  • Fähigkeit, sich in ungewohnten kulturellen und sozialen Umwelten zu bewegen, mit  Rollenerwartungen konstruktiv umzugehen
  • Fähigkeit, Konflikte gewaltlos zu bewältigen
  • Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen
  • Kreativität und Explorationslust
  • Sachbezogenes Engagement und intrinsische Motivation

Wenn Unternehmen oder Führungskräfte auf das Unternehmenskapital „Mitarbeiter“ achten, wie es z.B. auch der kürzlich verstorbene Steven Covey empfiehlt, kann die Gesundheit und somit die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter gesteigert werden. Ein absolutes win-win-Geschehen.

Möglich ist dies durch ein Training, das unterschiedliche Ebenen und Zielgruppen berücksichtigt.

Ziel des Trainings ist,
die innere Kraft und Stärke zu erkennen und kontinuierlich auszubauen. Durch souveräne Selbststeuerung und eine klare innere Haltung verbunden mit kompetentem Handwerkszeug kann der vielschichtige Alltag resilient gemeistert werden.

Resilienztraining für Führungskräfte:
Trainierte Führungskräfte können sich selbst und ihre Mitarbeiter in herausfordernden Zeiten ausgeglichen und stabil durch Prozesse begleiten. Das Training hilft Veränderungsspielräume auf Sach- und Beziehungsebene zu erkennen, Werte- und mitarbeiterorientiert zu führen und persönliche Kraft, Kompetenz und Balance auszubauen. Wenn es um Führungskräfte geht, spielen folgende Aufgabenfelder eine wichtige Rolle: Klarheit der Werte, Selbstführung/-management, Kommunikation, soziale Kompetenz.

Resilienztraining für Team/Projektgruppen
Im Team-Training wird jeder Teilnehmer sein persönliches Potenzial wahrnehmen. Gemeinsam werden Ressourcen, Stärke und blockierende Faktoren identifiziert wie auch Handlungsoptionen zur Zielerreichung. Optimale Teamplayer finden den kollekiven Erfolg.

Resilienztraining für Mitarbeiter
Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit der langfristigen, verantwortungsvollen Selbststeuerung. Ergänzend werden Möglichkeiten besprochen, die physische Stärke als Basis der konstanten Leistungsfähigkeit individuell auszubauen. Geschult werden der proaktive Umgang mit Konflikten und die nachhaltige Verankerung gesunden Verhaltens. Um den komplexen Herausforderungen des beruflichen Alltags gerecht zu werden, muss ein effektives Training möglichst viele Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören körperliche, mentale und psychische Verfassung.

Mögliche Inhalte für Resilienztraining:

  • SWOT-Analyse: Situationsklärung, Standortbestimmung, Fähigkeiten, Grenzen
  • Innere Antreiber kennen und beherrschen
  • Kompetenzkreise erkennen und nutzen
  • Klärung von Mission und Werten
  • Ressourcenaufbau
  • Physische Stärkung
  • Energiehaushalt managen
  • Beziehungen meistern, Networking, Teammanagement
  • Klare Kommunikation nach Regeln
  • Konfliktgestaltung nach Systmen
  • Entlastungsmöglichkeiten schaffen
  • Handlungsoptionen erweitern

Der Trainingsmotto: Widerstandskraft entsteht durch das Überwinden von Widerstand!

Viel zu tun? – Eine alte Regel neu gesehen.

Hallo liebe Leute,

heute, nach einiger Zeit, widme ich den Tipp einem Thema welches immer wieder in meinen Seminaren auftaucht.

Viele stellen fest, egal wieviel sie an einem Tag erledigen, abends ist immer noch Arbeit übrig geblieben. Dabei stellen sich mindestens zwei Fragen:

  1. Wie kann ich das ändern und meine Arbeiten erledigen?
  2. Wie kann ich, wenn 1. nicht möglich ist, sicherstellen, dass die wichtigsten erledigt sind und ich abschalten und abends ruhig schlafen kann?

Die meisten kennen das Eisenhower-Prinzip. Eisenhower war der erste, der aus einer eindimensionalen Liste von Arbeiten abgewichen ist, weil er klug erkannte, dass es zwei Dimensionen gibt. Im Übrigen war er General im zweiten Weltkrieg und später Präsident der USA.

Aufteilung von Tätigkeiten, Arbeiten

Eisenhower Prinzip

Auf der Zieldimension wird die Wichtigkeit abgebildet. Arbeiten bzw. Tätigkeiten, die mich meinen Zielen näher bringen sind wichtiger als die Tätigkeiten, die mich nicht so weit zu meinen Zielen bringen. Tätigkeiten, die mich von Zielen abhalten sind Zeitdiebe!

Die Zeitdimension bildet die Dringlichkeit ab. Es gibt Tätigkeiten, die sofort erledigt werden müssen, andere sind planbar. Diese können dann zum entsprechend geplanten Zeitpunkt erledigt werden. Hierbei ist wichtig, das dies dann auch geschieht, sonst werden diese B-Aufgaben schnell zu A-Aufgaben. Bekanntlich sind diese wichtig und dringend. Weil dies in der Realität oft geschieht, haben Menschen oft unendlich viele A-Aufgaben. Wie gehe ich damit um?

Hier mein Vorschlag zum Einsetzen der Schwabschen Regel (Mackenzie/Waldo, Die doppelte Zeitfalle, Sauer Verlag, Seite 63 – 64).  Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Im Vorschlag von Lee ist ein Fehler enthalten. Er nimmt die Aufteilung in die oben beschriebenen Dimensionen nicht vor. Meine Weiterentwicklung sieht vor, nur die A-Aufgaben nach der „Schwabschen-Regel“ zu bearbeiten!

,,Das Erlebnis von Charles Schwab“.

Schwab, Präsident von Bethlehem Steel in den 60er Jahren, hatte die gleiche Herausforderung wie wir alle. Zuviel Arbeit, die abends noch übrig war.

Einen Freund und Berater, Ivy Lee, stellte er vor folgende ungewöhnliche Aufgabe: ,,Zeigen Sie mir eine Möglichkeit, mit meiner Zeit mehr anzufangen“, sagte er, ,,und ich zahle Ihnen innerhalb vernünftiger Grenzen jegliches Honorar“.

Lee gab Schwab ein Stück Papier und sagte: ,,Schreiben Sie die wichtigsten Dinge, die Sie morgen zu erledigen haben, auf, und nummerieren Sie sie ihrer Bedeutungsordnung nach.

Fangen Sie mit Aufgabe Nr.1 an, wenn Sie morgens früh ins Büro kommen und bleiben Sie solange daran sitzen, bis sie erledigt ist.

Überprüfen Sie Ihre Prioritäten noch einmal und fangen Sie dann mit Nr. 2 an.

Falls Sie nicht alles erledigen können, würde Ihnen eine andere Methode auch nicht helfen. Wenn Sie aber überhaupt kein System haben, können Sie wahrscheinlich nicht einmal entscheiden, welches die wichtigste Aufgabe ist.

Gewöhnen Sie sich diese Methode für jeden Arbeitstag an. Geben Sie das System an Ihre Mitarbeiter weiter, wenn es bei Ihnen funktioniert.

Erproben Sie meinen Vorschlag solange Sie wollen. Danach dürfen Sie mir einen Scheck schicken und selbst einschätzen, was Ihnen dieser Ratschlag wert ist.“

Einige Wochen später erhielt Lee einen Scheck über US $ 25.000 (heute ca. 100 000 €). Schwab schrieb dazu, dass diese Lektion die ertragreichste sei, die er je gelernt habe.

Auf die Frage seiner Freunde, warum er ein so hohes Honorar für eine so einfache Idee gezahlt habe, antwortete Schwab mit der Gegenfrage, welche hervorragenden Ideen eigentlich nicht im Grunde einfach seien.

Er machte sie darauf aufmerksam, dass nicht nur er, sondern alle seine Mitarbeiter zum ersten Mal an erster Stelle stehende Aufgaben auch zuerst erledigten.

Nach reiflicher Überlegung meinte Schwab, dass diese Ausgabe vielleicht die wertvollste Investition darstellte, die er während des Geschäftsjahres getätigt habe.

Soweit die Geschichte. Für Sie ist es wichtig, diese Idee in ihren Arbeitsalltag zu transferieren.

Eine weitere Idee: Versuchen Sie das Eisenhower-Prinzip auch auf Ihre Mails anzuwenden. Für Sie hat das den Vorteil, dass alle Mails morgens erstmal in A, B und C-Mails aufgeteilt werden. Die A-Mails werden sofort erledigt, die B-Mails terminiert. C-Mails werden, je nach Aufwand sofort (Aufwand kleiner als 1 Minute) oder dann erledigt, wenn Zeit ist. Mittags wiederholen sie diesen Vorgang für alle bis dahin eingetroffenen Mails. Sie arbeiten mit dem Prinzip der Blockbildung. Ihr Vorteil; Konzentration und weniger Ablenkungen während des Tages und dadurch Vermeidung des Sägezahneffektes.

Allein durch die immer wieder notwendige „Aufwärmzeit“ oder Einarbeitungszeit, das Eindenken in die Tätigkeit nach Unterbrechungen, dauert eine Aufgabe oft doppelt so lange. Eine Aufgabe, die konzentriert in 30 Minuten erledigt werden kann, dauert durch den Sägezahneffekt 60 Minuten. Da dies am Tag häufiger vorkommt, gehen diese Stunden zu Lasten ihrer Freizeit. Nach obiger Methode der Blockbildung und Nutzung des Eisenhower-Prinzips sparen Sie diese Zeit für sich.

Viel Erfolg und lassen Sie mich hören, wie es auch bei Ihnen funktionierte.

Olaf Duchene