Burnout Phasen
Ein Mensch sagt, und ist stolz darauf,
er geht in seiner Arbeit auf.
Bald aber nicht mehr ganz so munter,
geht er in seiner Arbeit unter. E. Roth.

Von 1990 bis 2010 haben sich psychische Erkrankungen verdreifacht. Da die Quote bei Alkoholmißbrauch, Depression und Ängsten eher konstant ist, nimmt man an, dass die Steigerung durch Burnout zu verantworten ist.

Damit Sie rechtzeitig erkennen, wo Sie im Prozess des Burnout stehen, hier eine kurze Einführung. Sollten Sie erkennen, dass Beschreibungen aus einer der Phasen auf Sie zutrifft, ist es ratsam etwas zu verändern.

Ein Burn Out Syndrom wurde von der Medizin in Phasen (Burisch) eingeteilt:

1. Enthusiasmus und Anfangsphase

2. Stagnation und reduziertes Engagement

3. Frustration und Abbau

4.  Apathie

5. Burn Out Syndrom

Was bedeuten die einzelnen Burn Out Phasen und wie die Situation erkannt werden kann?

Burn Out Phasen: 1. Enthusiasmus und Anfangsphase

„Gerade engagierte Menschen, die für die Sache brennen, brennen auch aus!“

Engagement, Begeisterung und Idealismus sind oft wichtige Bedingungen um im Beruf erfolgreich zu sein. Leider sind diese Merkmale auch wichtige Vorläufer für die Entstehung eines Burn Out Syndroms.

Falsche Einschätzung der eigenen Kräfte, (zu) hoher Energieeinsatz, und eine Überidentifikation mit der Arbeit pflastern den Weg in die Burn Out Entwicklung. Überschreiten von körperlichen und mentalen Grenzen und vernachlässigen dringend benötigte Pausen zwingt ihren Körper dazu, „seinen“ Weg zu wählen, Pausen zu finden. Hier einige Handlungen, die häufig anzutreffen sind:

  • Hyperaktivität
  • freiwillige unbezahlte Mehrarbeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit
  • Gefühl, nie Zeit zu haben
  • Verleugnung eigener Bedürfnisse
  • Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen
  • Beschränkung sozialer Kontakte auf Klienten

Burn Out Phasen: 2. Stagnation und reduziertes Engagement

Höhere, ständig steigende Anforderungen führen dazu, dass Sie mehr und mehr Energie aufwenden müssen, um Ziele zu erreichen.  Durch die irgendwann, aufgrund mangelnder Selbstführsorge (keine Pausen, kein Ausgleich) kommt es zu ersten Fehlschlägen. Auch subjektiv erlebter Leistungsverlust wird versucht durch Mehrarbeit auszugleichen, was zu einem Teufelskreis führt. Die Enttäuschung ist groß, weil man ja alles gegeben hat. Das bisherige Weltbild war: Je mehr ich mich anstrenge, umso erfolgreicher bin ich. Dieses Bild kommt nun ins Wanken. Die Reaktion darauf sind unbewusste Ängste, Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung, wie auch folgende Merkmale:

  • Desillusionierung
  • Negative Einstellung zur Arbeit
  • Widerwillen und Überdruss
  • Widerstand täglich zur Arbeit zu gehen
  • Ständiges auf-die-Uhr-sehen
  • Fluchtphantasien
  • Tagträume
  • Überziehen von Arbeitspausen
  • Verspäteter Arbeitsbeginn
  • Vorverlegter Arbeitsschluss
  • Fehlzeiten
  • Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit
  • Aufblühen am Wochenende
  • Höheres Gewicht materieller Bedingungen für die Arbeitszufriedenheit

Wer nun seine Ausrichtung überdenkt und grundsätzliche Änderungen akzeptiert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in die nächste Phase des Burn Out gelangen.

Burn Out Phasen: 3. Frustration und Abbau

Wenn dann trotz höchstem Energieaufwand die gewohnten Erfolge ausbleiben, werden die Grenzen aufgezeigt. Dies führt zu einem tiefen Frustrationsgefühl.

Menschen reagieren nun sehr unterschiedlich. Menschen mit Resilienz-Fähigkeiten (Widerstandskraft) meistern die Situation. Andere Menschen reagieren in dieser Phase mit krankhaften Konsumverhalten. Alkohol, Tabletten (Schmerzmittel, Schlafmittel) sind nun falsche Helfer. Auch Veränderungen im Essverhalten werden festgestellt. Ebenso spielen Drogen oft eine Rolle. Die fehlende Befriedigung durch das begehrte Erfolgserlebnis wird anderweitig gesucht. Dies führt jedoch nur noch weiter in die Sackgasse. Spätestens jetzt kommt es auch zu ersten körperlichen Symptomen. Diese Burn Out Symptome können vielfältig sein und sind abhängig von individuellen Eigenheiten. Es können sowohl depressive Merkmale auftreten:

  • Reduzierte Selbstachtung
  • Gefühle ineffizient zu sein
  • Gedankenverlorenheit
  • Selbstmitleid
  • Humorlosigkeit
  • Unbestimmte Angst und Nervosität
  • Abrupte Stimmungsschwankungen
  • Verringerte emotionale Belastbarkeit
  • Bitterkeit
  • Abstumpfung, Gefühl von Angestorbensein und Leere
  • Schwächegefühl
  • Neigung zum Weinen
  • Ruhelosigkeit
  • Gefühl des Festgefahrenseins
  • Hilflosigkeits-, Ohnmachtsgefühle
  • Pessimismus/ Fatalismus
  • Apathie
  • Selbstmordgedanken

Ebenso können aber auch aggressive Merkmale beobachtet werden. Denkbar ist auch beides:

  • Schuldzuweisung an Andere oder das „System“
  • Vorwürfe an Andere
  • Verleugnung der Eigenbeteiligung
  • Ungeduld
  • Launenhaftigkeit
  • Intoleranz
  • Kompromissunfähigkeit
  • Nörgeleien
  • Negativismus
  • Reizbarkeit
  • Ärger und Ressentiments
  • Defensive/ paranoide Einstellungen
  • Misstrauen
  • Häufige Konflikte mit Anderen

Betroffene sind nun längst nicht mehr in der Lage, die erforderliche Energie für die eigenen Ziele aufzubringen. Fehler entstehen durch:

  • Konzentrations- und Gedächtnisschwäche
  • Unfähigkeit zu komplexen Aufgaben
  • Ungenauigkeit
  • Desorganisation
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Unfähigkeit zu klaren Anweisungen

Wenn weiterhin an bisherigen Zielen festgehalten wird, folgt unweigerlich der Eintritt in die nächste Phase. Ein Burn Out Coaching ist hier dringend zu empfehlen.

Burn Out Phasen: 4. Abau und Apathie

Folgen der nun auftretenden Apathie ist „die innere Kündigung“. Es erfolgt kein Gedanke mehr an Einsatz für die Ziele. Mitunter kommt es zu Überlegungen, wie man das Erreichen der Ziele (der Firma? des Betriebes?) bewusst unterlaufen kann. Manchmal fühlt man sich innerlich berechtigt, den Betrieb („der einen in diese schlimme Lage gebracht hat“) zu schaden. Die Arbeit wird auf das allernotwendigste reduziert. Veränderungen werden gemieden und Probleme nicht beachtet. Ein unbewusster Selbstschutz setzt ein. Allerdings oft gefolgt vom schlechten Gewissen, was wiederum belastet und das Selbstwertgefühl negativ beeinflusst.

Durch die Energielosigkeit kommt es zum Rückzug. Das berufliche und private Sozialleben ist ernsthaft in Gefahr. Wenn Sie in der Lage sind, Hilfe von außen anzunehmen, kommt es weniger wahrscheinlich zum Übergang in die letzte Phase. Leider trauen sich viele Menschen in dieser Situation nicht mehr mit anderen darüber zu reden.  Folgendes Verhalten ist zu beobachten:

  • Weniger persönliche Anteilnahme an anderen oder exzessive Bindung an Einzelne
  • Meidung informeller Kontakte
  • Meidung von Gesprächen über die eigene Arbeit
  • Eigenbröteleien
  • Mit sich selbst beschäftigt sein
  • Einsamkeit

Burn Out Phasen: 5. Das Burn Out Syndrom!

Das Burn Out Syndrom ist eine schwere Lebenskrise. Diagnose und Therapie gehören in professionelle Hände. Es entstehen Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen und Misstrauen. Folgende psychosomatischen Störungen sind häufig zu beobachten:

  • Schwächung der Immunreaktion
  • Unfähigkeit zur Entspannung in der Freizeit
  • Schlafstörungen
  • Alpträume
  • Sexuelle Probleme
  • Gerötetes Gesicht
  • Herzklopfen
  • Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Beschleunigter Puls
  • Erhöhter Blutdruck
  • Muskelverspannungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nervöse Ticks
  • Verdauungsstörungen
  • Übelkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Gewichtsveränderungen
  • Veränderte Essgewohnheiten
  • Mehr Alkohol/ Kaffee/ Tabak/ andere Drogen

Starke negative Gefühle gegen sich und andere beherrschen Ihr Leben. Sie sind in einer bedrohlichen Lebensphase. Oft sind folgende Charakteristika zutreffend:

  • Negative Einstellung zum Leben
  • Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Selbstmordabsichten
  • Existenzielle Verzweiflung

Eine Burn Out Therapie ist zur Behandlung unumgänglich.